Friday, 15 July 2016

Gutes kann auch mal zuviel sein


Ich hatte so ein nettes Ereignis: ich hab doch glatt eine ganze Box an Gemüse und Obst gewonnen! In meiner Arbeit hatten wir Wellness Woche – und eine der Herauforderungen war für die fünf Tage vier Gläser Wasser am Tag zu trinken.

Hab ich auch glatt gemacht.  Ich hab brav meine Zeiten aufgeschrieben  und auch wirklich all das Wasser getrunken.  Gut getan hat’s mir auch noch. Obwohl ich die ersten zwei Tage nur noch aufs Klo gerannt bin. Der Trick liegt glaube ich darin dann so wenig heisse Getränke oder Orangensaft wie möglich zu trinken, dann geht’s mit dem Wasserspiegel im Körper etwas besser.

Ich hatte auch sogar gehofft dass ich etwas an dem versprochenen Gemüse gewinne.  Irgendwer muss es ja werden, nicht wahr?  Und ich war dann freudig überrascht eine von so 6-7 Leuten zu sein die jeweils eine Box gewonnen hatten.

Die Sache war dann nur: wie das Ding nachhause bekommen, grad weil ich an dem Abend wegging (im Restaurant wollte ich nicht einen Riesenkarton an Gemüse bringen, wie hätte das denn ausgesehen aber am meisten ging’s mir ums rumschleppen), und dann war auch schon Wochenende. Ich hab sogar noch was von den schönen Gaben in den Kühlschrank in der Firma gestopft.

Dann ab Montag habe ich die Sachen über zwei Tage hinweg heim transportiert. Soviel ich halt tragen konnte. Und hab’s dann auch gottseidank alles in den Kühlschrank zuhause, wenn auch nicht alles ins Gemüsefach gepasst hatte.  Der Riesenstrauch Karotten kam so in den Schrank.

Tschjah... und da lag das Zeug dann.  Mit dem Kohl hatte ich sogar eine Idee: ich könnte in kleinschnippeln, in ein bisschen Wasser garen und dann noch Bröckchen an Schafskäse mitreinschmeissen.

Nur hab ich das vielleicht bald gemacht?  Nein, natürlich nicht.

Und das hat mich total bestürzt, traurig gemacht, niedergeschmettert und geradezu deprimiert. Warum mach ich sowas? Ich hab das Zeug zuhause und dann warte ich nur drauf bis es vergammelt damit ich es endlich wieder wegschmeissen kann ohne was damit gemacht zu haben? Das ist doch kriminell oder!  Furchtbar.

Das ist mir sogar peinlich. Also alles ziemlich negative Gefühle. Und dabei möchte ich doch so gerne Gemüse essen! Das Obst das mit dabei war (Äpfel und eine schöne Mango) hab ich auch gleich gemampft, und gut geschmeckt hat’s!  Aber das Gemüse...

Ich weiss schon dass ich totales Widerstreben gegen die ganze Arbeit habe die damit verbunden ist: die Sachen müssen erst geputzt werden, und geschält, dann irgendwie klein gemacht werden: hacken oder reiben oder weiss der Teufel was. Frag mich nicht. Ich hab da nicht die Idee.

Und noch niederschmetternder ist das Wissen dass man sich mit sowas abplagt wie nochmal was, es dann in Null Komma Nix an Zeit weg isst (wenn es überhaupt essbar ist) und dann muss man hoffen dass es auch nach irgendwas schmeckt.  Ich hatte mir neulich eine Süsskartoffel gekocht, die esse ich gerne – aber ich habe nichts gefunden das ich damit hätte kombinieren können. Ich hatte ich kein anderes Gemüse da.  Der Schafskäse den ich versucht habe, der war’s nicht. Das hat etwas eklig geschmeckt. Andere Marinaden und sonst was waren noch schlimmer. Dann hab ich halt den Rest so runtergewürgt, leider war der dann schon kalt weil ich solange rumprobiert hatte eine gute Kombination mit irgendwas zu finden. Also einen Erfolg kann man das wirklich nicht nennen.

Den Kohl hab ich dann grade noch gerettet: die äusseren Blätter waren total hinüber, manche weiter innen mussten viel vom oberen Rand getrennt werden, aber die allerinnersten, die waren prima. Die Menge war dann sogar perfekt für mich als Einzelperson. Ich hab das dann auch wirklich klein geschnippselt, heissgemacht in einem grossen Topf mit etwas Wasser und dann Schafskäse mit dazu. Leider hatte ich ausnahmsweise mal einen anderen Feta gekauft, der war nicht so schön krümlig sonderen eher so etwas glitschig und ist dann auch nicht so schnell im heissen Gemüse geschmolzen. Schade. Ich werd in Zukunft wieder ‘meinen‘ Käse kaufen.

Mit dieser Box an Gemüse ist mir eines klargeworden: ich fühle mich total überfordert mit so Gemüse umzugehen. Ich weiss nicht zu was so Sachen passen (eine Aubergine war auch drin. Ich glaub die mag ich sowieso nicht, aber ich hätte sie halt meinen Hausgenossen anbieten sollen), noch hab ich die leistete Ahnung wie man sie dann zubereitet.

Zum Rezeptesuchen und kopieren oder runterladen hab ich’s auch nicht gebracht. Dazu hätte ich mich zu schlapp gefühlt wenn ich dran gedacht hätte. Hab ich aber nicht mal. Das war einfach alles zuviel. Ich konnte damit nicht umgehen. Und bei dem Gedanken kommen mir sogar fast die Tränen (also, so was blödes aber auch) weil ich mich dabei recht schlecht fühle. Vollkommen gutes Gemüse wegzuschmeissen nur weil man sich dem ganzen nicht gewachsen fühlt, das ist doch furchtbar, oder?

Was ich gelernt habe ist dass ich mich nicht drauf verlassen kann dass ich dann schon Lust bekomme mich aus meiner Gewohnheitsmulde rauszuwuchten und mich in die ungewohnt/angsteinflössenden Bereiche zu wagen. Das haut nicht hin.  Zuviel Gemüse das auch nicht zusammenpasst, das macht mir zuviel Kopfschmerzen.  Das nächste Mal wenn es ans Gemüse zubereiten geht, da recherchiere ich zuerst mit einer Idee nach was mir zumute ist (also keine Aubergine), schaue was ich mir zutraue – und dann gehe ich einkaufen. Gezielt, mit Plan. Das klingt doch machbar, oder?

Und wenn sich das ganze dann etwas besser anfühlt, dann krieg ich vielleicht auch mehr Lust drauf Gemüse zu kochen, und vielleicht schmeckt’s ja sogar auch noch?

Leicht zuzubereitende Gemüse“rezepte“ sind sehr willkommen. Sie müssen aber wirklich sehr leicht zu machen sein. Mit wenig Zutaten und nicht zuviel Zeit die es braucht. Und dann halt was das man auch ohne anderes dazu essen kann, weil noch mehr Zeug zubereiten müssen, das geht bei mir gar nicht. Das ist nicht drin. Ich kann die schönsten, komplizierten Strickmuster nachstricken, oder auch selber zusammenstellen, aber das Kochen ist total nicht meine Stärke.  Ich hab mehr vergessen als ich jemals wusste.
 
PS Ich hab Rezepte in Anführungszeichen gepackt weil ich fürs Zubereiten auch den persönlichen Touch brauche: wenn’s schon die Rezeptesprache ist, da schalte ich ab, das fühlt sich alles zu kompliziert an.

Wenigstens hat mein Kohl mit Feta geschmeckt, das war eine wirklich nette Überraschung. Da hab ich sogar mal was hingebracht. Hurra!

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